Neue Lernformen
Neue Bielefelder Schulleiterin, fünffache Mutter – und total entspannt
Mut und Zuversicht statt Notenstress und Leistungsdruck: Sabine Simon (50) will Kinder vor allem fürs Leben starkmachen. Wie das gelingen kann und was sie Eltern rät.
Von Ivonne Michel, 26.03.2026 | 26.03.2026, 19:09
• Sabine Simon, neue Schulleiterin in Bielefeld, setzt auf weniger Notendruck und mehr individuelle Förderung.
• Sie betont die Bedeutung von Kreativität und Empathie in der Bildung, besonders in Zeiten Künstlicher Intelligenz.
• Simon plant, das Programm „Aula“ einzuführen, um mehr Teilhabe der Schüler zu ermöglichen.
Bielefeld. Damals schon zwei kleine Kinder, alleinerziehend, noch mal ein neues Studium,
Referendariat: für Sabine Simon alles kein großes Ding. „Meine Familie hat mich immer
geerdet, ich musste vieles einfach pragmatisch angehen“, sagt die fünffache Mutter. Man
mache sich oft zu viel Stress, so ihre Erfahrung. „Entspannt euch“: Die Botschaft möchte die neue Schulleiterin des Grundschulverbunds Wellensiek-Hoberge-Uerentrup auch anderen Eltern vermitteln. „Druck raus, und nicht zu hohe Ansprüche.“
Ihr ältester Sohn (26) sei ihr bester Lehrmeister gewesen. „Es war wirklich nicht einfach mit ihm zum Schulstart, aber ab der dritten Klasse lief es dann plötzlich“, berichtet die 50-Jährige.Oft benötige es einfach Zeit – und weniger Druck, auch mit Blick auf die Noten. Wenn sie den Raum und Rahmen dafür bekämen, könnten Kinder ihre individuellen Strategien, mit denen sie gut lernen können, entfalten. Die Grundschulzeit sei eine ganz besondere und prägende Zeit. „Wenn wir es gut machen, können wir ganz viel Potenzial sichtbar machen, und den Kindern viel Mut und Zuversicht mitgeben“, sagt Simon.
Ihr ältester Sohn habe an der Bültmannshofschule eine ganz tolle Lehrerin gehabt, die ihn sehr geprägt habe. Nach seinem BWL-Studium sei der 26-Jährige jetzt in die Toskana ausgewandert, um dort ökologische Landwirtschaft zu betreiben. „Meine jüngste Tochter ist noch hier an der Wellensiekschule in der vierten Klasse“, berichtet Simon, die zuvor als Konrektorin tätig war, erst an der Stifts-, dann an der Eichendorffschule. Schüler lernen, Lösungen für reale Probleme zu entwickeln Schulleitung: Der Job mache ihr „total viel Spaß“. Mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten und „1.000 Sachen gleichzeitig zu tun“, liege ihr einfach. Ihr Ziel sei es, Rahmenbedingungen zu schaffen, sodass alle Spaß am Lernen und an der Arbeit in der Schule haben und sich wohlfühlen. „Sei leidenschaftlich, visionär und mach’s einfach“: Die Worte eines Professors, die sie einmal in einem Vortrag gehört habe, passten sehr gut zu ihr.
„Man braucht Mut, Prioritäten zu setzen, Neues auszuprobieren und immer wieder nachzujustieren“, sagt Simon, die am Max-Planck-Gymnasium Abitur gemacht hat. Geboren wurde sie in Nürnberg. Als sie fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Bielefeld. Hier studierte sie zuerst Biologie. Aber das sei es dann doch nicht ganz gewesen. Wie Kinder
bestmöglich gefördert werden können, und ihnen mitzugeben, was sie in Zukunft brauchen, sei die große Aufgabe. Der gesellschaftliche Wandel sei immens und unvorhersehbar, Schule müsse da immer lernfähig sein.
„Neben den Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen und auch Medienkompetenz sind vor allem Schlüsselkompetenzen wie Kreativität, Mut, Zuversicht und Empathie ganz wichtig – gerade auch, um in einer Welt mit Künstlicher Intelligenz klarzukommen“, sagt die Pädagogin. Zensuren würden aus ihrer Sicht hingegen komplett überbewertet. „Kinder müssen raus, etwas erleben und erfahren, Lösungen für reale Probleme entwickeln und Verantwortung übernehmen, gute Erfahrungen machen, um so Selbstwirksamkeit zu erfahren“, sagt Simon. Hundekissen unterm Schreibtisch der Bielefelder Schulleiterin Die sei ganz entscheidend dafür, nicht den Mut zu verlieren angesichts einer Zukunft, die auch Angst mache. „So kann man der später von vielen Jugendlichen empfundenen Ohnmacht frühzeitig entgegenwirken.“ Auch echte Teilhabe sei ein wichtiger Punkt. An der Schule gebe es bereits ein sehr starkes Fundament und tolle Startbedingungen. „Nach den Ferien wollen wir jetzt das Programm Aula – ausdiskutieren und live abstimmen – ausprobieren.“ Dort könnten wirklich alle Kinder Ideen einbringen. Ihr großzügiges Büro am vor einigen Jahren sanierten Hauptstandort Wellensiek hat Simon mit persönlichen Dingen, wie leuchtend bunten Grafiken einer Künstlerin mit Sprüchen wie„Du darfst immer wieder neu anfangen, deine Meinung ändern, zulassen, rauslassen, und auch mal gar nichts machen“ gestaltet. Unter ihrem Schreibtisch liegt ein großes Hundekissen – für Joppie, ihren einjährigen Australian Cobberdog. Er ist gerade in der Ausbildung zum Schulhund und sorge schon jetzt für gute Stimmung im Haus. Nachdem ihre Vorgängerin Petra Vogel-Deutsch bereits vor knapp zwei Jahren in die Schulaufsicht nach Herford gewechselt ist, wurde die Stelle einige Monate später ausgeschrieben. „Es hat einfach gepasst“, sagt Simon, die mit ihrer Familie ganz in der Nähe wohnt. Sie sei super angekommen. „Tolle Kinder, tolle Eltern, tolles Team – und der tollste Job der Welt.“ Trotzdem freue sie sich jetzt auf die Osterferien. Da geht es zum Wandern nach Südtirol. „Im Sommer will ich dann meinen Sohn in Italien besuchen“, ergänzt Sabine Simon. Sie sei sehr gespannt, was er dort auf die Beine stellt.